Herzgeräusche bei Hund und Katze – wann steckt mehr dahinter?
- topmoellerj
- 12. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Ein Herzgeräusch beim Hund oder bei der Katze verunsichert viele Tierhalter zunächst. Die gute Nachricht zuerst: Nicht jedes Herzgeräusch bedeutet automatisch eine schwere Herzerkrankung. Trotzdem sollte jedes auffällige Herz sorgfältig untersucht werden , denn viele Herzkrankheiten entwickeln sich schleichend und bleiben lange unbemerkt.
Moderne Studien und aktuelle Leitlinien der Veterinärkardiologie zeigen deutlich: Früherkennung verbessert die Lebensqualität und oft auch die Lebenserwartung unserer Tiere erheblich.
Was ist ein Herzgeräusch überhaupt?
Beim Abhören hört der Tierarzt normalerweise zwei klare Herztöne. Ein Herzgeräusch entsteht, wenn das Blut nicht mehr ruhig durch das Herz fließt, sondern Verwirbelungen entstehen.
Das kann verschiedene Ursachen haben:
Veränderungen an den Herzklappen
Verdickungen des Herzmuskels
angeborene Herzfehler
Bluthochdruck
oder manchmal auch harmlose, sogenannte „physiologische“ Herzgeräusche
Wichtig zu wissen:Ein Herzgeräusch ist keine Diagnose sondern ein Hinweis, genauer hinzuschauen.

Die häufigsten Herzerkrankungen bei Hund und Katze
Mitralklappenendokardiose (MMVD) beim Hund
Die Mitralklappenendokardiose auch myxomatöse Mitralklappenerkrankung genannt, ist die häufigste Herzerkrankung älterer Hunde, besonders kleiner Rassen wie Cavalier King Charles Spaniel, Dackel, Chihuahua oder Pudel.
Was passiert dabei?
Die Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer schließt nicht mehr richtig. Dadurch fließt bei jedem Herzschlag etwas Blut zurück. Das Herz muss mehr arbeiten und wird langfristig belastet.
Man kann sich das vorstellen wie eine undichte Tür:Eigentlich soll alles nur in eine Richtung fließen schließt die Tür aber nicht richtig, entsteht „Rückverkehr“.

Typische Symptome
Viele Hunde zeigen lange gar keine Beschwerden. Erst später können auftreten:
Husten, besonders nachts
schnelle Atmung
geringere Belastbarkeit
schnelle Ermüdung
Unruhe
Ohnmachtsanfälle in fortgeschrittenen Stadien
Aktuelle ACVIM-Leitlinien empfehlen eine frühe Einteilung in verschiedene Krankheitsstadien, damit der optimale Zeitpunkt für Kontrollen oder Medikamente nicht verpasst wird.
Besonders spannend: Studien zeigen, dass bestimmte Medikamente bereits vor dem Auftreten schwerer Symptome das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können.
HCM – die häufigste Herzerkrankung der Katze
Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist die häufigste Herzerkrankung bei Katzen. Dabei verdickt sich der Herzmuskel, meist die linke Herzkammer.
Das Problem:Der Muskel wird zwar dicker, aber das Herz kann sich schlechter mit Blut füllen. Dadurch arbeitet das Herz zunehmend ineffizient.
Warum ist HCM so heimtückisch?
Katzen sind Meister darin, Krankheiten zu verstecken. Viele Katzen mit HCM wirken lange völlig gesund.
Teilweise wird die Erkrankung erst entdeckt:
bei einer Routineuntersuchung
vor einer Narkose
oder leider erst im Notfall
Mögliche Anzeichen
schnelle oder angestrengte Atmung
weniger Aktivität
Rückzug
Appetitverlust
Hecheln
plötzliche Schwäche oder Lähmung der Hinterbeine (Notfall!)
Gerade die plötzliche Hinterhandschwäche entsteht häufig durch ein Blutgerinnsel, das durch die Herzerkrankung verursacht wird.
Nicht jedes Tier mit Herzgeräusch ist krank
Das ist vielen Besitzern wichtig zu hören:Vor allem junge Tiere oder Katzen können zeitweise Herzgeräusche haben, ohne eine schwere Erkrankung zu entwickeln.
Andersherum gilt aber auch:Besonders Katzen mit HCM haben manchmal gar kein hörbares Herzgeräusch. Deshalb ersetzt das Abhören allein keine vollständige Herzdiagnostik.
Welche Untersuchungen sinnvoll sind
Abhören des Herzens
Der erste und wichtigste Schr

itt bei jeder Vorsorgeuntersuchung.
Herzultraschall (Echokardiographie)
Der Goldstandard der Diagnostik. Hier können Herzklappen, Herzgröße, Wanddicke und Pumpfunktion genau beurteilt werden.
Röntgen
Hilft dabei, Herzgröße und mögliche Flüssigkeit in der Lunge zu beurteilen.
Blutdruckmessung
Besonders wichtig bei älteren Katzen, da Bluthochdruck selbst Herzveränderungen verursachen kann.
NT-proBNP-Bluttest
Ein moderner Herzmarker, der Hinweise auf eine Herzerkrankung geben kann, besonders hilfreich bei Katzen oder unklaren Fällen.
Früherkennung rettet Lebensqualität
Die moderne Tierkardiologie hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Viele Herzerkrankungen können heute deutlich früher erkannt und besser begleitet werden als noch vor einigen Jahren.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei:
Erkrankungen früh zu entdecken
Risiken vor Operationen besser einzuschätzen
Medikamente rechtzeitig einzusetzen
Komplikationen zu vermeiden
die Lebensqualität lange zu erhalten
Gerade bei Risikorassen oder älteren Tieren lohnt sich eine regelmäßige Herzuntersuchung besonders.
Was Tierhalter zuhause beobachten können
Ein einfacher, aber sehr wertvoller Tipp:Die Atemfrequenz im Schlaf beobachten.
Eine dauerhaft erhöhte Ruheatemfrequenz kann ein frühes Warnsignal für Herzprobleme sein.
Außerdem sollte man aufmerksam werden bei:
schneller Erschöpfung
Husten
veränderter Atmung
weniger Spielfreude
Appetitverlust
plötzlicher Schwäche
Lieber einmal zu früh kontrollieren lassen als einmal zu spät.
Fazit
Herzerkrankungen bei Hund und Katze gehören zu den häufigsten internistischen Erkrankungen in der Kleintiermedizin. Gleichzeitig bleiben sie oft lange unentdeckt.
Ein Herzgeräusch bedeutet nicht automatisch eine schlimme Diagnose
aber es verdient Aufmerksamkeit. Moderne Diagnostik, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und regelmäßige Vorsorge ermöglichen heute vielen herzkranken Tieren ein langes und gutes Leben.
Denn am Ende geht es nicht nur um Diagnosen oder Ultraschallbilder sondern um möglichst viele gesunde gemeinsame Jahre mit unseren Vierbeinern.



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